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Gerechtigkeit ist der Weg zum Frieden

Frühere Leserbriefe
From: Karin Nebauer
To: Forum / SZ
Sent: Thursday, October 27, 2011 7:27 PM
Subject: Re: Leserbrief

Sehr geehrte Frau Brummer,
 
um welchen Leserbrief es sich gehandelt hat, weiß ich gar nicht mehr, es muss schon länger her sein.
 
Am liebsten hätte ich auch einen Leserbrief zur Berichterstattung über den Gefangenenaustausch Gilad Shalit gegen 1.027 palästinensische Gefangene (Peter Münch nannte die Relation "ungeheuerlich"). Es war fast wie israelische Inlandspresse. Über die palästinensischen Gefangenen, über die Art des Zustandekommens einer Verhaftung und Verurteilung vor dem für Palästinenser zuständigen Militärgericht, über die Art der Haft, über Folter ("moderate physische Gewalt") und Mißhandlung, Unterbringung wird bei uns so gut wie nicht berichtet. Interessiert es niemanden, auch nicht eine renommierte Tageszeitung??   Ich will gar nicht ins Detail gehen, wie die politischen Hintergründe der Abschiebung von Freigelassenen in den Gazastreifen oder ins Ausland, natürlich ohne ihre Angehörigen zu sehen. 
 
Wie oft haben Berichterstatter der UNO, Menschenrechts-NGOs wie die israelische B'Tselem (ein Ausdruck aus der Schöpfungsgeschichte, "nach dem Bilde" zu ergänzen: Gottes schuf er ihn, den Menschen) oder die palästinensische Addammer, Global Research.. ihre Stimmer erhoben - umsonst! Etwa 20% der palästinensischen Bevölkerung haben waren im Gefängnis oder hatten Angehörige dort.
 
Wer spricht von den palästinensischen Kindern in israelischer Haft?? Laut DCI-Palestine (Defense for Children International - Section Palestine) werden jährlich etwa 700 palästinensische Minderjährige zwischen 12 und 17 Jahren (einzelne noch jünger) inhaftiert, fast immer lautet die Anklage Steine Werfen. Seit 2000 sind etwa 7.500 minderjährige Palästinenser in Israel inhaftiert gewesen. Ende September waren laut DCI-Palestine mindestens 164 palästinensische Minderjährige in israelischer Haft, davon 35 zwischen 12 und 15 Jahren. Die Festnahmen erfolgen meist während nächtlicher Razzien. bei denen Pani verbreitet wird. Es gibt glaubwürdige Bericht über Folter und Mißhandlung während Verhör, Transfer und Inhaftierung.    Man braucht nur zu lesen.
 
Manchmal stehe ich fassungslos und resigniert vor einer Berichterstattung, die der Linie der israelischen Politik entspricht und die Situation der Palästinenser ignoriert. Wie lange soll das noch so weiter gehen?

Von: Karin Nebauer
Gesendet:
Dienstag, 20. September 2011 22:03
An:
Nachrichten-Aufnahme / SZ
Betreff:
Leserbrief
 
Zum Artikel von Peter Münch vom 17./18.9. "In Isolation":

Es ist seltsam, wie viele Argumente und Drohungen in letzter Zeit gegen eine Unabhängigkeitserklärung Palästinas auftauchen. Darunter möchte ich nur auf eines eingehen: Palästina dürfe doch nicht einseitig, im Alleingang, ohne das Einverständnis von Israel den Antrag bei der UNO stellen. Warum eigentlich nicht? Hat nicht Israel 1948 seine Unabhängigkeit im Alleingang erklärt, obwohl es sehr viel mehr Grund gehabt hätte, sich mit den Palästinensern darüber ins Einvernehmen zu setzen.

Jürgen Jung, Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung
Zu den Artikeln „Sohn Israels“, 13.10.; „Perfide Inszenierung“, 15.10.; „Politische Arithmetik“, 14.10.2011

Als Abonnent der SZ seit annähernd einem halben Jahrhundert (!) fühle ich mich gedrängt, zu Ihrer Berichterstattung über die Freilassung von Gila Shalit Stellung zu nehmen. Die gnadenlose, und der Begriff gnadenlos ist hier wirklich angebracht, Einseitigkeit zugunsten Israels ist einfach haarsträubend. Der Tenor lautet: für einen israelischen Gefangenen der Hamas, dessen Schicksal mit dem allergrößten Mitgefühl geschildert wird, werden über tausend potentielle „Terroristen“, an deren Händen „Blut klebt“, freigelassen, was zu einer neuen Terrorwelle führen könne. Die Verzerrung der Wirklichkeit beginnt schon mit der Behauptung, Gilat Shalit sei „von palästinensischen Terroristen in den Gaza-Streifen verschleppt“ („Sohn Israels“, SZ, 13. 10., S.3) worden. Das Völkerrecht gestattet ausdrücklich den bewaffneten Widerstand gegen eine illegale Besatzung. Gilat Shalit ist Soldat der Besatzungsarmee, daher ein legitimes Angriffsziel. Insofern ist die Rede vom „Terror“ in diesem Zusammenhang einfach unsinnig. Und die Unterstellung Peter Münchs („Perfide Inszenierung“, SZ, 15. 10., S. 6), Shalit würde „ gewiss nicht gemäß den Regeln der Genfer Konvention in Geiselhaft gehalten“ ist deshalb so empörend, weil – ganz unabhängig davon, ob sie stimmt oder nicht – Israel sich bei der Inhaftierung von 6000 Palästinensern, die gegenwärtig in Gefängnissen und Lagern sitzen, nachweislich in keiner Weise um die Genfer Konvention kümmert. Darauf machen (v. a. israelische) Menschenrechtsorganisationen, die UNO, Amnesty International regelmäßig aufmerksam. Von diesen jährlich veröffentlichten Berichten erfährt der Leser der SZ – wenn überhaupt – nur beiläufig, ebenso wie von dem inzwischen auf alle Gefängnisse ausgedehnten Hungerstreik, den palästinensische Gefangene Ende September begonnen haben, um gegen die Haftbedingungen zu protestieren.

Peter Münch spricht angesichts der Begeisterung über die „Freipressung“ der palästinensischen Gefangenen projektiv von einer „perfiden Inszenierung“ – perfide ist vor allem seine Berichterstattung! Allein in Sonja Zekris Kommentar („Politische Arithmetik“, 14. 10., S.4) schimmert eine Ahnung durch von der dem Konflikt zugrunde liegenden Problematik, daß es nämlich die ungeheuerliche Asymmetrie in den Auseinandersetzungen vor Ort und - so möchte man hinzufügen - in der westlichen Berichterstattung ist, die den Fall Shalit für die Araber zu einem „Symbol für den Palästina-Konflikt macht". Denn aus ihrer Sicht sind die meisten palästinensischen Gefangenen alle „Gilad Shalits“, und die Menschen in Gaza fühlen sich wie 1,5 Millionen Geiseln, deren unmenschliche und gleichfalls völkerrechtswidrige Absperrung und Blockade den Angriff auf die israelische Militärpatroullie und die Gefangennahme Shalits erst provoziert hat. Solange die Einsicht des großen (jüdischen) Orientalisten Maxime Rodinson nicht endlich von uns im Westen ernst genommen wird, trägt eine Berichterstattung der beschriebenen Art zur Perpetuierung des Konflikts bei. Rodinson: „Einen Staat mit jüdischer Vorherrschaft im arabischen Palästina errichten zu wollen, konnte nur zu einer kolonialähnlichen Lage, zur Entwicklung einer vom Rassenkampf beherrschten Geisteshaltung und schließlich zu einem militärischen Zusammenstoß der beiden Volksgruppen führen“, die – nebenbei bemerkt - vor dem Auftreten des zionistischen Machtanspruchs friedlich zusammengelebt hatten.

SALAM SHALOM Arbeitskreis Palästina-Israel e.V.     www.salamshalom-ev.de        salamshalom.ak@googlemail.com


Betreff:   Aufnahme Palästinas in die UNESCO
Von:   renate.frank.doerfel
Datum:   Do, 6.10.2011, 13:43
An:   poststelle@auswaertiges-amt.de
Betr.: Aufnahme Palästinas in die UNESCO

Sehr geehrter Herr Außenminister,

wie wir den Medien entnehmen[1] hat Deutschland gestern im Exekutivrat der UNESCO gegen eine Aufnahme von Palästina in die UNESCO gestimmt, gemeinsam nur mit Rumänien, Lettland und den USA, also gegen eine überwältigende Mehrheit der 58 Mitgliedsstaaten (14 Enthaltungen, 4 Gegenstimmen, 40 für eine Aufnahme Palästinas).

Herr Außenminister, was veranlasst Sie, was veranlasst die gegenwärtige deutsche Regierung, sich in dieser Weise zu isolieren?  Selbst eine Enthaltung wäre peinlich gewesen, aber eine Gegenstimme ist verheerend: die Stimmung in den arabischen Ländern, die – so sagen uns verlässliche Beobachter – noch immer pro-deutsch ist, wird kippen.  Dass die Stimmung so ist, ist ohnehin erstaunlich, angesichts unserer unverbrüchlichen Treue zu Israel, ohne Rücksicht auf die Menschenrechtsverletzungen dieses Landes und insbesondere seiner gegenwärtigen Regierung. 

Herr Westerwelle, es gibt noch eine Chance, den gestrigen Fehler wettzumachen: im Oktober wird voraussichtlich, so lesen wir, die UNESCO-Generalversammlung über den Antrag Palästinas abstimmen. Sorgen Sie bitte dafür, dass Deutschland hier für Palästina stimmt, nicht weil dies ein Mitgehen mit der Mehrheit sein würde sondern weil die Achtung der Würde und der Rechte der Menschen in Palästina dies erfordert. Und lesen Sie bitte den Beitrag von Nicholas D. Kristof „Is Israel Its Own Worst Enemy?“ in der heutigen Ausgabe der New York Times[2]. Der Satz darin, dass Freunde ihre Freunde daran hindern, sich betrunken ans Steuer zu setzen, sollte unsere Politik gegenüber Israel leiten.

In der Hoffnung auf eine Veränderung der deutschen Außenpolitik,
Ihre Renate und Frank Dörfel

Betreff:   Nachrichten 30.9. 23 Uhr DLF: Merkel kritisiert israelischen Siedlungsbau als Provokation
Von:   renate.frank.doerfel
Datum:   Sa, 1.10.2011, 13:51
An:   "Hörerservice Deutschlandfunk" <hoererservice@dradio.de>
Sehr geehrte Damen und Herren,

die nachstehende Nachricht gestern Abend 23 Uhr schien eine erstaunliche, erfreuliche Wendung deutscher Politik anzudeuten. Allerdings verschwand die Meldung spurlos aus den weiteren Nachrichtensendungen. Und keiner der Kommentatoren scheint die Meldung aufgenommen zu haben. Was ist geschehen?

Merkel kritisiert israelischen Siedlungsbau als Provokation
Bundeskanzlerin Merkel hat die Fortsetzung des israelischen Siedlungsbaus als Provokation kritisiert. In einem Telefonat mit Ministerpräsident Netanjahu habe die Kanzlerin erklärt, dass ihr jegliches Verständnis für die Genehmigung des Bauprojekts im Ost-Jerusalemer Stadtteil Gilo fehle, betonte Regierungssprecher Seibert in Berlin. Die Planung von mehr als 1.000 Wohnungen habe Zweifel geweckt, ob Israel an ernsthaften Friedensverhandlungen interessiert sei. Diese Zweifel müssten umgehend zerstreut werden. Frau Merkel habe daher Netanjahu aufgefordert, so rasch wie möglich Gespräche mit Palästinenserpräsident Abbas über eine Zweistaaten-Lösung aufzunehmen.
DLF 30.9.11 23 Uhr-Nachrichten

Mit großem Interesse erwarten wir Ihre Aufklärung,
Ihre Renate und Frank Dörfel

From: Karin Nebauer
Sent: Tuesday, September 20, 2011 10:02 PM
Subject: Leserbrief

Zum Artikel von Peter Münch vom 17./18.9. "In Isolation":
 Es ist seltsam, wie viele Argumente und Drohungen in letzter Zeit gegen eine Unabhängigkeitserklärung Palästinas auftauchen. Darunter möchte ich nur auf eines eingehen: Palästina dürfe doch nicht einseitig, im Alleingang, ohne das Einverständnis von Israel den Antrag bei der UNO stellen. Warum eigentlich nicht? Hat nicht Israel 1948 seine Unabhängigkeit im Alleingang erklärt, obwohl es sehr viel mehr Grund gehabt hätte, sich mit den Palästinensern darüber ins Einvernehmen zu setzen. 
Karin Nebauer,, München

From: Sokrates
To: Salam Shalom Arbeitskreis Palästina-Israel e.V.
Sent: Sunday, September 04, 2011 12:22 PM
Subject:  UN-Bericht in Bezug auf den Angriff der Israelis auf die Friedensflotte auf hoher See

Was kann man vom vorbezeichneten Bericht halten? Ich kann höchstens der Meinung eines Beobachters beipflichten, dass es in
dem Bericht in erster Linie darum geht, die Piraterie der Israelis auf hoher See und in internationlen Gewässern in einer Art und Weise reinzuwaschen, dass die Türken gleichzeitig beschwichtigt werden.

Bislang hat der Bericht nur eins erreicht: die Blockade des Gazastreifens wurde erstmals durch die UNO gerechtfertigt und legalisiert, obwohl UNO-Größen wie auch US-Präsidenten (zuletzt Obama) die Blockade bislang mehrfach kritisiert hatten. Dadurch beschwichtigt wurde die Türkei aber überhaupt nicht. Und dies natürlich mit Recht.

Es fragt sich nun, wie lange die Türkei standhaft bleiben und die Zusammenarbeit mit Israel, insbesondere militärisch, einstellen wird.

Sowohl von den USA als auch von Europa und nicht zuletzt von der UNO wird nun - wie dies zu beobachten ist - ein großer Druck auf die Türkei ausgeübt, um eine Versöhnung mit den Israelis herbeizuführen, nach dem Motto: Schaut mal her, Freunde. Israel muss schließlich die "legitime" Blockade durchsetzen. Achtet gefällig darauf, dass eure Leute in Zukunft nicht mehr nach Gaza fahren.

Das Reinwaschen abermaliger Verletzungen Israels in UNO-Berichten ist im Übrigen keine Seltenheit. Dem Massaker an der Zivilbevölkerung und der Zerstörung der zivilen Infrastruktur in Gaza hat Goldstone - selber Jude und Sionist - ein kleines Bisschen Rechtfertigung mit auf dem Weg gegeben, indem er die Raketchen der Hamas gegenüberstellte als wären sie die Ursache des ganzen Übels. Dabei sind im besetzten Westjordanland gar keine Hamasraketen und den Palästinensern dort geht es nicht viel besser, denn ihre Bewegungsfreit ist sehr eingeschränkt (Checkpoints, Mauer), ihre Häuser werden zerstört bzw. besetzt, um Platz für neue Ankömmlinge aus Osteuropa zu machen, und ihre natürlichen Ressourcen (Wasser, Steine, Olivenernten usw.) werden geraubt.

Wie lange werden wir noch für dumm verkauft?

From: Karin Nebauer
Sent: Tuesday, July 26, 2011 12:50 PM
Subject: Leserbrief zum Artikel von Peter Münch, "Dritter Weg nach Palästina" vom 23./24.Juli

Abgesehen davon, dass der Artikel im Ton nicht ganz neutral erscheint, möchte ich auf die abgebildete Karte von Israel/Palästina eingehen:
 
Diese Karte zeigt die Umrisse von Westbank und Gazastreifen nach der Eroberung 1967, die Siedlungen entsprechen dem Stand von Juli 2006 (siehe Wikipedia, Palästina). Was nicht gezeigt wird und weswegen die Karte irreführend ist, sind die Enklaven, in denen Israel die Palästinenser zusammenpfercht und die sie nicht ohne Genehmigungen, Kontrollen an Checkpoints usw. verlassen können. Die Westbank ist in Zone A (unter palästinensischer Kontrolle, das sind mehrere größere Städte), Zone B (gemischte Kontrolle) und eine weite Zone C (unter israelischer Kontrolle) unterteilt. Im fruchtbaren Jordantal (Zone C) gibt es außer Jericho nur noch vereinzelt palästinensische Dörfer und auch sie werden durch Häuserzerstörung und Verkleinerung durch Annexion bedrängt. Dagegen werden dort israelische Siedlungen und große landwirtschaftliche Betriebe errichtet. Palästinenser haben keinen Zugang, auch nicht zum Toten Meer, was man anhand der Karte annehmen könnte. Die Siedlungen haben sich inzwischen erweitert, auch der Gazastreifen mußte Teile abtreten, u.a. für eine No go-Area entlang der Grenze, ein Gebiet, das landwirtschaftlich wichtig war und heute Todeszone ist.
 
Bei den kurzen Angaben zur Geschichte des "Nahostkonflikts" unten auf der Seite fehlen z.B. völlig die vielen ungeheuren Zugeständnisse der palästinensischen Führung in den Verhandlungen mit Israel.
 
Ich halte die Darstellung des Konflikts und der derzeitigen Situation, die u.a. auch ein symmetrisches Verhältnis zwischen den beiden Völkern suggeriert, für journalistisch unredlich. 
 
Karin Nebauer, München

Die Freiheitsflottille
von:  F. Piwonka
am: Mi, 20.07.2011, 21:01
Pseudo-Studie zum Antisemitismus
Eine unvoreingenommene Beschäftigung mit der Situation der Palästinenser kommt zu dem Ergebnis, dass diese seit Jahrzehnten nicht nur ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlagen beraubt werden, sondern zudem täglich Schikanen, Demütigungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgesetzt sind.Vor diesem Hintergrund wird man sprachlos, wenn ausgerechnet der Hannah-Arendt-Spezialist Samuel Salzborn in einer pseudowissenschaftlichen Studie über den Antisemitismus der Linken die Antisemitismuskeule schwingt. Denn das, was Arendt über die damalige israelische Aggressionspolitik gegenüber den Palästinensern geäußert hat, stellt alles in den Schatten, was die Linke je an Kritischem gegenüber Israels Politik gesagt hat. Und den leidenschaftlichen Humanisten Martin Buber müsste man gemäß diesen Maßstäben wohl als einen der größten Antisemiten bezeichnen, der sein Volk einer „mörderischen Krankheit grundlosen Hasses“ bezichtigte.  F.J. Piwonka, München
Betreff:   "Berliner Initiative gegen die zweite Gaza-Flottille"  der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Arbeitsgemeinschaft Berlin und Potsdam
Datum:   Di, 5.07.2011, 13:15

ich habe vernommen, daß sie die im betreff genannte resolution unterschrieben haben. meine frage dazu ist: wieviel unmenschlichkeit muß bei ihnen im spiel sein, damit sie bereit sind, sich damit näher zu beschäftigen? sie täuschen sich, wenn sie meinen sollten, daß es sich hier um eine polemische frage handelt, denn bereits seit jahrzehnten leben palästinenser in einem unbeschrieblichen zustand des elends und der täglichen menschlichen entwürdigung, die ihresgleichen sucht. israel läßt wirklich nichts unversucht, diese menschen ihrer ganzen würde zu berauben und ich stelle mir die frage, wie diese es schaffen, dies zu verarbeiten und damit überhaupt leben zu können.

diese entwürdigung beginnt bereits mit dem aufstehen und endet nicht einmal mit dem schlafengehen. die umfassende entwürdigung gänzlich unschuldiger menschen ist bestens dokumentiert durch dokumentarische filme, unzähligen zeugen sowie durch ALLE berichte von menschenrechtsorganisationen: ein friedensforscher, der aus bestens bekannten gründen sich bisher der israelkritik enthalten hat, sieht sich angesichts des ausmaßes der verletzung der menschenwürde nun doch gezwungen, an einer umfassenden dokumentation von menschenrechtsverletzungen zu arbeiten, nämlich prof. krell. menschen aus dem westen, die dort länger leben, sind entsetzt darüber, was mit den palästinensern tagtäglich geschieht.

ein israelischer soldat berichtete mir von dem befehl, nachts palästinenser aus ihren häusern zu vertreiben. als er nach dem grund fragte, zumal sie doch nichts getan hätten , erwiderte sein vorgesetzter: "damit sie endlich verschwinden". das ist praktizierter zionismus bis auf den heutigen tag. vor 100 jahren besaßen die Palästinenser 94 % des gebietes, heute nur noch 6 %. die aussagen von zionisten sind mitunter entwaffnend. so sagte ben gurion: "wir haben ihnen alles weggenommen, was ihnen gehörte. wäre ich palästinenser, wäre ich auch terrorist". deshalb nimmt es auch nicht wunder, daß es gar keine rolle spielt, welcher politischen coleur menschen angehören, wenn sie dort länger leben und lauthals gegen dieses unrecht protestieren, was ihnen z.b. der ehemalige vorstand der konrad-adenauerstiftung jederzeit bestätigen wird, der 5 jahre in ramallah gelebt hat. hier siegt endlich der menschliche imperativ vor allen politischen erwägungen.

jeder, der sehen, lesen und hören kann, hat die möglichkeit, sich von diesem elend zu überzeugen. bereits vom eigenen gemütlichen wohnzimmer aus ist dies möglich. jeder kann beispielsweise im internet auf youtube sich tagelang die täglichen entmenschlichungen an den checkpoints anschauen. er kann sich dort sogar davon überzeugen, wie israelische soldaten friedlich demonstrierende palästinenser er
schießen. wir leben nicht mehr in zeiten, die sich durchgeheimhaltung dieses elends auszeichnen.

haben sie tatsächlich noch nie etwas von häuserzerstörungen gehört? palästinenser bekommen keine genehmigungen zum hausbau. morgens kommen sie um 8 uhr und reißen es vor den augen von mutter, vater und kind ab, die auch noch die rechnung für den abriß bezahlen müssen. einigen palästinensern haben sie bereits das dritte mal das haus abgerissen.

wissen sie, daß juden palästinensern steine an den kopf werfen dürfen, ohne daß die polizei einschreitet? ich habe es mit eigenen augen gesehen.

wissen sie, daß siedler die häuser von palästinensern abbrennen können, ohne daß die polizei bzw soldaten einschreiten? der gründer der ICAHD-bewegung gegen häuserzerstörung und israelische menschenrechtsaktivist jeff halper hat es mit eigenen augen gesehen.

wissen sie, daß palästinenser keine brunnen besitzen dürfen, denn damit könnten sie ja eigene felder bewirtschaften?

wissen sie, daß 75 % des wassers in der westbank von den siedlern verbraucht wird und der rest von den palästinensern und wissen sie auch, daß palästinenser vier mal so viel fürs wasser bezahlen müssen wie die israelis?

wissen sie, daß palästinenser 40 % ihrer lebenszeit in schlangen stehen müssen vor ämtern, checkpoints usw und das nicht selten umsonst? und wundern sie sich dann noch, daß der sattsam bekannte israelhasser desmond tutu festgestellt hat, daß israel eine apartheidspolitik betreibt?

wissen sie, daß palästinenser, die in israel arbeiten gehen, täglich drei stunden vor öffnung der mitunter gigantischen checkpoint-käfige dort sein und dann immer noch 2-3 stunden warten müssen, bevor sie am morgen ihre arbeit beginnen können?

wissen sie, daß israelische soldaten palästinensischen kindern gezielt in den kopf schießen, nicht selten auf spielplätzen? ca 300 kinder wurden in den letzten 10 jahren auf diese weise getötet.

wissen sie eigentlich, daß ich mit diesen fragen seitenlang weitermachen könnte?

wie gehen sie nun mit diesen informationen um? läßt sie das alles unberührt, können sie tatsachen brillant verdrängen bzw haben sie von all dem noch nie etwas gehört, so daß sie sich bis heute im zustand bewundernswerter unschuld befinden?

und nun möchte ich noch kurz auf den von ihnen unterschriebenen text eingehen. der punkt 1 zeigt, was für einen strategischen und instrumentellen umgang mit menschenrechten sie pflegen: außer shalit fällt ihnen gar niemand mehr ein. und wie zynisch ist punkt zwei angesichts der tatsache, daß eine vom westen gigantisch aufgerüstrete militärmaschinerie einem gegner gegenübersteht, der außer steine keine waffen besitzt und mittlerweile auch kein land mehr. und da möchten sie im ernst vom "recht auf selbstverteidigung" sprechen?

ihren einwand können sie getrost unterlassen: die palästinensische bevölkerung feuert keine raketen ab und das problem würde sich erst gar nicht stellen, wenn israelischer staatsterror unterbliebe, der mit notwendigkeit gegenreaktionen provoziert, was natürlich auch die gegenseite
weiß und dennoch ihren terror nicht abstellt. hier den zusammenhang von ursache und wirkung in sein gegenteil zu verkehren, wie es aus dem ausdruck: "recht auf selbstverteidigung" hervorgeht, stellt für mich den sachverhalt einer psychopathologie von wahrnehmung dar.

und wenn sie im punkt drei auch noch von " bewusst inszenierte (r) Provokation israelfeindlicher Extremisten" sprechen, dann haben sie
schlußendlich bewiesen, daß sie selbst ein extremistisches weltbild besitzen, das sie mit einer hausbackenen verschwörertheorie nun endlich
abgerundet haben.

ich fasse zusammen: über ihre resolution kann man viel sagen, nur eines nicht: daß sie wahrhaftig und aufrichtig ist

mit freundlichen grüßen
franz piwonka

"Kämpferische Friedensflotte" 

Unter der Überschrift "Kämpferische Friedensflotte" findet sich auf S.1 der SZ vom 29.06.11 ein Vierspalter von Sonja Zekri mit der Mitteilung, "an Bord" (der demnächst auslaufenden Schiffe) befänden sich "Schriftsteller, Abgeordnete und Menschenrechtler aus Skandinavien, Spanien und Amerika, sogar ein Holocaust-Überlebender".

Ob Frau Zekri eines Morgens aufwachen und sich für das unsäglich servile "sogar" schämen wird? Was für eine Frage, wird der Leser denken...

Wenige Zeilen später liest man: "Im letzten Jahr starben neun türkische Aktivisten, als Israels Marine die Mavi Marmara enterte und die Passagiere mit Knüppeln und Messern zurückschlugen". Was mag sie dahingerafft haben, die zurückschlagenden Passagiere? Die ungewohnte Anstrengung? Vermutlich haben die Aktivisten sich gegenseitig totgeschlagen. Man weiß ja (und wird nicht müde zu betonen): diese "Terror-Aktivisten... legen es auf Blut und viele Fernsehbilder" an. Frau Zekri vergißt zu sagen: Fernsehbilder bleiben ein Privileg der Israelis, die den Passagieren jedwedes elektronische Gerät abnehmen und nicht zurück-geben; der Volksmund spricht in solchen Fällen von "stehlen". Frau Zekri spricht von "geschickt auflaufen lassen".

Um nah am Text zu bleiben, muß ich freilich eingestehen: Der Blut-und-Fernsehbilder-Hinweis stammt nicht - zumindest nicht direkt - von Frau Zekri; hier zitiert sie nur, neutral und objektiv, Israels Außen-minister Avigdor Lieberman. Sie hätte natürlich auch die Mitfahr-Begründung "des Holocaust-Überlebenden" zitieren können. "Er" ist vermutlich die weltweit hoch-angesehene 86jährige Hedy Epstein - eine Schwester im Geiste und im Charakter der herrlichen Freya von Moltke; und ähnlich unbeliebt bei allen staatstragenden Deutschen.

Maxime der SZ, wie jedes staatsräson-positiven Deutschen, ist jedoch, in Abwandlung eines berühmten Dieter-Hildebrandt-Wortes: "Es genügt nicht, fair zu sein. Wir müssen immer auch an den Zentralrat denken". Zwar läßt die SZ von Zeit zu Zeit eine sanft israel-kritische Stimme zu Wort kommen, z.B. die noble Sumaya Farhat-Naser im Interview vom 25.06.11 Das von Werner Bloch vorzüglich geführte (und durch das Michael-Oreal-Foto geadelte) Interview tut keinem "in politischer Verantwortung Stehenden" ernstlich weh; es gereicht der SZ gleichwohl zur Ehre. Anschließend, diese Vermutung erlaube ich mir, dachte die Süddeutsche an den Zentralrat. Oder der Zentralrat an die Süddeutsche? Jedenfalls erschien, in der Wochenende-Ausgabe vom 02.07.11, eine elegante, für Ahnungslose monumental erdrückende, für Informierte durch und durch lachhafte Geschichtsklitterung "Erstarrte Erinnerung" von Joachim Käppner.

Über die Lage der Juden in der DDR, eine weitaus andere als in Käppners Opus (und als im real-sozialistischen Bruderstaat Polen), hatte seinerzeit Jurek Becker in "Bronsteins Kinder" informiert; im Gegensatz zu Käppner wußte er, wovon er redete. - Leider fehlen Zeit und Platz, andere Fehler und abwegige Verallgemeinerungen zu berichtigen und (vor allem) Käppners Kunst der Irreführung aufzuzeigen.   Harm Rösemann, München

Offener Brief an H. Graumann.doc:
von Abraham Melzer, Herausgeber von DER SEMIT.  
....Ist denn jemand, der für den korrupten und in Israel verhassten Peres nicht aufsteht, gleich ein Antisemit? Und jemand, der einen Schal trägt, auf dem die Grenzen von 1967 nicht gezeichnet sind, ist auch ein Antisemit? - Dann sind in Israel ja fast alle Antisemiten, oder gibt es in Israel offizielle Karten mit den Grenzen von 1967 ?  Wenn man bei einem Autoverleiher am Flughafen einen Wagen leiht und eine Karte bekommt, dann sind keine Grenzen eingezeichnet....   ....Ich schäme mich für solche Juden wie Sie, weil Sie dafür sorgen, dass man Juden hasst und verachtet.... Vollständiger Brief
From: Karin Nebauer
Sent: Friday, June 24, 2011 5:23 AM
Subject: Leserbrief

Leserbrief zum Artikel "Die Linke und die Juden" von Dieter Graumann, Außenansicht vom 20.6.2011.
 
Sehr geehrte Redaktion!
 
Der Artikel von Herrn Graumann wirkt etwas verwirrt und auch grotesk.
Die Flotille der Freiheit, die die völkerrechtlich illegale Blockade des Gazastreifens durch Israel durchbrechen und von Israel verwehrte, dringend benötigte Hilfsgüter bringen will, als "Hass-Flotille" zu bezeichnen, ist zwar in den letzten Tagen von israelischen Politikern zu hören gewesen, aber genau das ist sie nicht.
Auch wer BDS, die Boykottbewegung gegen Israel befürwortet, ist nicht gleich im "Kerker des Israel-Hasses" befangen. BDS soll, so wie einst das Apartheidregime Südafrikas, Israel bewegen, das Völkerrecht einzuhalten und die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes anzuerkennen. Diese Bewegung und auch die Bewegung der Flotille der Freiheit ist für Israel unangenehm, und es versucht, sie mit allen Mitteln zu diskreditieren.
Gerade auch in Israel gibt es, Gott sei Dank, Stimmen, die aus Sorge um Israel dringend zur Abkehr von einer Politik der Gewalt und Unrechtmäßigkeit raten. Nicht "Hass" gegen Israel, nicht Antisemitismus ist der Beweggrund, sondern die Sorge um die Zukunft nicht nur der Palästinenser, sondern gerade auch Israels im Nahen Osten. Es wäre fatal, wenn Israel auf Dauer seine Existenz im Nahen Osten nur mit Gewalt sichern möchte.
 
Karin Nebauer

From: Franz. J. Piwonka
To: leserbriefe@sueddeutsche.de
Sent: Sunday, May 29, 2011 10:00 PM
Subject: Linke weist Antisemtismus-Vorwurf zurück

Die atemberaubende Inflation des Antisemtismusvorwurfs verfolgt ein genau benennbares Ziel: Denunziation statt Argumentation. Der Kritker wird von vornherein denunziert, um sich mit den Argumenten nicht beschäftigen zu müssen. So handhabt es auch jede Diktatur. Der "kapitalistische Konterrevolutionär" ist das präzise Äquivalent dieses Vorwurfs. Erst vor Wochen wurde in der SZ das Buch des bekannten israelischen Soziologen Moshe Zuckermann postiv renzensiert, das genau diese denunziatorischen Mechanismen beim Namen nennt.

Es überrascht, daß ausgerechnet der Hannah-Arendt-Spezialist und -Liebhaber Samuel Salzborn die Antisemitismuskeule schwingt, denn das, was Arendt über die damalige israelische Aggressionspolitik gegenüber den Palästinensern gesagt hat, stellt alles in den Schatten, was die Linke je an Kritischem gegenüber der israelischen Politik gesagt hat. Und der leidenschaftliche Humanist Martin Buber wäre gemäß diesen Maßstäben wohl einer der größten Antisemiten. Was die erwähnte Organisation "Solid" betrifft, handelt es sich um eine fanatisch israelfreundliche Vereinigung, die nun wirklich die leiseste Kritik an Israel mit der Antisemitismuskeule beantwortet. Man kann viel über diese Keulenschwinger sagen, nur eines nicht: daß es Ihnen um Wahrhaftigkeit geht.

Dipl. Soz. Franz. Josef  Piwonka, München

Leserbrief an die SZ
Zu: Linke weist Antisemitismus-Vorwurf zurück, SZ vom 25.5.2011

Zwei Nachrichten, die die SZ innerhalb einer Woche zu Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Linkspartei veröffentlichte, fordern Widerspruch heraus. In beiden Fällen ließ die SZ ihre Leser im Unklaren, um wen es sich bei den Autoren der Studie über angeblichen Antisemitismus in der Linkspartei, Samuel Salzborn und Sebastian Voigt, handelt. Die beiden gehören zu der ominösen Gruppe der „Antideutschen“, die meisten politisch Interessierten ebenso wenig bekannt sein dürften wie ihr Organ „Bahamas“. Die „Antideutschen“ stehen für eine uneingeschränkte Unterstützung der Regierung Netanyahu/Liebermann, das schließt deren gezielte Tötungen ebenso ein wie die zutiefst inhumane Abriegelung des Gaza-Steifens und die Befürwortung der illegalen israelischen Siedlungen in Palästina sowie der von Israel errichteten Mauer. Guter Journalismus hätte zumindest eine Einordnung der Autoren dieser dubiosen „Studie“ ermöglichen müssen.

Der Vorwurf des Antisemitismus gegen die linke Bundestagsabgeordneten Inge Höger wegen ihrer Beteiligung an der Gaza-Solidaritätsflotte ist in meinen Augen abwegig. Wer den Israelis eine gesicherte Existenz wünscht, die sich auf gutnachbarschaftliche Beziehungen zu den arabischen Nachbarn und einen lebensfähigen Palästinenserstaat gründet, handelt nicht gegen die Interessen der israelischen Bevölkerung sondern im Gegenteil für sie. Und wenn Inge Höger als auf das schreiende Unrecht, das der Bevölkerung im Westjordanland und noch mehr in Gaza angetan wird, aufmerksam macht, weil sie Israels Bevölkerung vor dem Unheil bewahren will, in das eine verbohrte israelische Regierung sie treibt, verdient das Respekt. Ich wünschte mir mehr Bundestagsabgeordnete, und nicht nur von der Linkspartei, die das tun.

Henning Hintze
Landshuter Allee 23
80637 München

Betreff:   Leserbrief zu: "Anrennen gegen die Besatzung", SZ vom 16.5.2011
Von:   "Sabine Matthes" <sabine_matthes@hotmail.com>
Datum:   Mo, 23.05.2011, 00:58
An:   leserbriefe@sueddeutsche.de
forum@sueddeutsche.de
Leserbrief zu:   "Anrennen gegen die Besatzung", SZ vom 16.5.2011, Seite 7
 
Sehr geehrte Redaktion Leserbriefe,
 
Am 10.Dezember 1948 verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte", deren Artikel 13 (2) lautet: "Jeder Mensch hat das Recht, jedes Land, einschließlich sein eigenes, zu verlassen sowie in sein Land zurückzukehren." Einen Tag später wurde das Rückkehrrecht für Hunderttausende, im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948 vertriebene, palästinensische Flüchtlinge speziell nocheinmal durch die UNO-Resolution 194 bekräftigt. Anstatt diese Resolution umzusetzen, verabschiedete die israelische Regierung 1950 zwei Gesetze, das "Law of Return" und das "Absentee Property Law", die allein die jüdische "Rückkehr" aus aller Welt legitimierten, während sie die "abwesenden" Palästinenser enteigneten.
 
Zahllose Versuche einer friedlichen Rückkehr, unter anderem 1988 mit dem "Ship of Return", das an das "Exodus"-Schiff der jüdischen Flüchtlinge erinnern sollte, wurden seitdem von israelischer Seite vereitelt. Als Arun Gandhi, der Enkel von Mahatma Gandhi, 2004 die besetzten Gebiete besuchte, regte er eine erneute Diskussion über gewaltlosen Widerstand an. In einer Rede rief er zu einem Marsch von 50.000 palästinensischen Flüchtlingen auf, die en masse aus ihrem jordanischen Exil zurückgehen sollten und damit die Israelis zur Entscheidung zwingen, ihnen entweder nachzugeben oder sie kaltblütig niederzuschießen. Zu Tausenden setzten am diesjährigen Nakba-Gedenktag palästinensische Flüchtlinge aus dem Libanon und Syrien Gandhis friedliche Protestvision in die Tat um, wobei Israel die Option der Gewalt wählte und etliche Demonstranten getötet und verletzt wurden. Im Gegensatz zu den libyschen Rebellen waren sie unbewaffnet. Sie verdienen unsere Unterstützung mindestens ebenso wie die anderen arabischen Freiheitsbewegungen.
 
Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Matthes, München

From: Karin Nebauer
Sent: Wednesday, May 04, 2011 8:53 PM
Subject: Leserbrief

Von Osama bin Laden zum Nahostkonflikt
 
Es gibt Stimmen, die die extralegale Tötung von Osama bin Laden als mit dem Recht nicht vereinbar kritisieren:
"Extralegale" Tötungen sind in Palästina, v.a. im Gazastreifen durch die israelischen Streitkräfte an der Tagesordnung, sogar kleine Kinder werden getötet und niemand regt sich darüber auf! Israel rechtfertigt sich immer damit, Opfer von Terrorismus zu sein und gegen Terroristen zu kämpfen. Wer dazu kritische Fragen hat, muss ein Antisemit sein.
Zum Versöhnungsvertrag: Israel weigert sich, mit einer Regierung zu verhandeln, in der die Hamas vetreten ist, weil sie das Existenzrecht Israels nicht anerkenne und der Gewalt nicht abschwöre.
Wie in jeder Mediation sollten wir genauer hinterfragen: welcher Staat Israel mit welchen Grenzen ist gemeint? Israel hat seine Grenzen bis heute nicht definiert, aus gutem Grund, denn seine Siedlungen fressen sich immer weiter ins Westjordanland hinein, immer weitere Teile fruchtbaren palästinensischen Bodens wird durch den Mauerbau oder durch die Errichtung militärischer Sperrzonen von Israel praktisch annektiert. Es müsste also auch die Frage erlaubt sein: anerkennt Israel das Existenzrecht Palästinas?
 
Israel hat doch immer behauptet, es gäbe keinen Partner für den Frieden, die PLO war kein Partner, die Palästinensische Autonomiebehörde war kein Partner - sie musste sich Diktaten beugen, alle Zugeständnisse waren zu wenig.. die Hamas ist schon gar kein Partner.
Ein echter, stabiler Frieden, wenn er denn überhaupt angestrebt wird (und nicht die Einverleibung ganz Palästinas) kann nur aber mit einem vereinten Palästina geschlossen werden.
 
Gewaltverzicht durch die Hamas? Blockade des Gazastreifens, angeblich um Waffenlieferungen zu verhindern. Hamas hat Waffenstillstandsverträge im Gegensatz zu Israel eingehalten (siehe z.B. Dokumentation von ex-US-Präsident Jimmy Carter). Verlangt jemand von Israel Gewaltverzicht? Obwohl es sich eindeutig um eine Krisenregion handelt, wird Israel mit Waffen bzw. Rüstungsgütern beliefert, Deutschland schenkte (auf Anforderung) Israel atomwaffenfähige U-Boote, die USA gewähren großzüige Militärhilfe. Damit wird der Konflikt aufrecht erhalten, ja immer weiter verschärft.
Würde sich Israel an die Grenzen von 1967 zurückziehen, was das Völkerrecht verlangt, und Besatzung und Blockade aufgeben, wären die Haupthindernisse für den Frieden beseitigt.
 
Wer ehrlich ohne Scheuklappen hinschaut, muss sich fragen, weshalb an Israel und Palästina so unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden. Was für ein Frieden soll unter solchen Voraussetzungen herauskommen?
 
Karin Nebauer

From: sabine_matthes@hotmail.com
To: leserbriefe@sueddeutsche.de; forum@sueddeutsche.de
Subject: Leserbrief zu: Außenansicht "Ein Frieden, zwei Staaten"
Date: Tue, 5 Apr 2011 18:42:34 +0200

Leserbrief zu:  Außenansicht "Ein Frieden, zwei Staaten" von Yoram Ben Zeev, SZ vom 04.04.2011, Seite 2
 
Sehr geehrte Redaktion Leserbriefe,
 
Für wie uninformiert hält der israelische Botschafter Yoram Ben Zeev die Leser, wenn er in seiner Außenansicht erklärt, Israel strecke "weiterhin die Hand zum Frieden aus, und die Mehrheit der Israelis ist für die Zwei-Staaten-Lösung"? Rechte wie linke israelische Regierungen haben doch durch die Ansiedelung von 500.000 jüdischen Siedlern in der Westbank und Ost Jerusalem eben diese Lösung selbst unmöglich gemacht. Israel erkennt weder seine Grenzen des UNO-Teilungsplans von 1947 an, noch die Waffenstillstandslinie von 1949. Ein palästinensischer "Staat" aber müßte ein zusammenhängendes Staatsgebiet haben und die Kontrolle über Luftraum, Wasser, Grenzen und eine eigene Armee - alles andere ist die Homeland-Politik des ehemaligen Apartheid-Südafrika.
 
Ben Zeev hat Recht, wenn er schreibt, daß die israelische Regierung, "wie in jedem demokratischen Land", die Pflicht hat, "seine Bürger vor Angriffen zu schützen". Nur sind die Mehrheit der Palästinenser im Gazastreifen Flüchtlinge aus Israel und damit gemäß Völkerrecht und UNO-Resolutionen eigentlich israelische Staatsbürger. Der Gaza-Krieg 2008/2009 richtete sich also nicht gegen ein "feindliches Land", sondern gegen die eigene 1948 vertriebene, enteignete und ausgebürgerte arabische Bevölkerung, die seit über 60 Jahren für ihre Rechte kämpft. Obwohl damals die Opferzahl palästinensischer Zivilisten und Rebellen größer war, als heute in Libyen, und die Angriffe eindeutig ethnisch motiviert, dachte man weder an eine Flugverbotszone noch an Regime Change.
 
Als Vertreter eines nach "Frieden" strebenden, "demokratischen" Landes, könnte sich Ben Zeev tatsächlich vorstellen, als israelischer Botschafter nicht nur seine jüdischen Bürger, sondern auch Millionen heimkehrende palästinensische Flüchtlinge zu vertreten, von denen womöglich ein palästinensischer Mandela sein Präsident werden würde? Dann wären seine Worte glaubhaft.
 
Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Matthes

Botschafter verschweigt Unrecht gegen Palästinenser

Der israelische Botschafter schreibt zu Recht, dass die Menschen im Nahen Osten nach einem Leben in Freiheit verlangen. Doch den Palästinensern im Gaza-Streifen und im Westjordanland wird dieses Recht von der israelischen Regierung seit Jahrzehnten verwehrt. Der Botschafter beklagt sich nur über den Terrorismus der Palästinenser, verschweigt aber das Unrecht, das den Palästinensern täglich vom israelischen Staat zugefügt wird. Seit mehr als 60 Jahren werden sie wie Menschen dritter Klasse behandelt. Ihr Land wird annektiert, auf ihrem Land werden Straßen gebaut, die sie weder benutzen, noch überqueren dürfen (um zum Beispiel ihre Felder zu bestellen), lebensnotwendiges Wasser wird ihnen gesperrt, beziehungsweise nur rationiert zur Verfügung gestellt, mehrere hundert Kontrollpunkte im Westjordanland behindern sie massiv in ihrer Bewegungsfreiheit. Sehr viele Palästinenser werden in Lagern wie in Guantanamo ohne Anklage gefangen gehalten. Und das alles angeblich zur Sicherheit der israelischen Bevölkerung. Uwe Lodders, Wiesenfelden


Von: Kurt Behrens
Gesendet: Dienstag, 5. April 2011 13:40
An: Süddeutsche Landkreis; 'redaktion@sueddeutsche.de'; 'forum@sueddeutsche.de'
Betreff: Bericht über Goldstone vom 4.4.; Kommentar Peter Münch vom 5.4.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich bitte um die Abdruck meines Leserbriefs zu den Berichten und Kommentaren zu Goldstone.
 
Egal, warum Herr Goldstone nunmehr die Militäraktion Dezember 2008 bis Ende Januar 2009 im Gazastreifen neu bewertet, ob aus persönlichen Gründen oder auf verstärkten Druck der israelischen Regierung: Bei 1.400 Toten auf Seiten der Palästinenser davon zu sprechen, dass die israelische Armee beim Angriff auf Gaza 2008/2009 nicht ein Massaker angerichtet hat, ist nicht nachvollziehbar. Viele der Toten waren Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder. Auf israelischer Seite waren 13 Tote zu beklagen. Schauen Sie sich bitte die Bilder und Videos von diesem Angriffskrieg gegen die Bevölkerung von Gaza  auf Youtube an und Sie werden erkennen, dass diejenigen, die diesen Krieg befohlen haben, besonders der Verteidigungsminister, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen und gegen das Völkerrecht verstoßen haben. Bisher drohte die Weltöffentlichkeit Milosovic, Karacic, nunmehr Gaddafi oder Thomas aus dem Sudan den Prozess vor dem Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag an. Die Bilder vom 'Krieg' gegen die Hamas und die Zivilbevölkerung des Gazastreifens rufen nach einen solchen Schritt auch gegen die Verantwortlichen dieses Massakers. Von 'moralisch sauberer Kriegsführung' zu sprechen ist bei dem Ungleichverhältnis der Kampfkraft und der Zahl der Opfer purer Zynismus - egal ob Goldstone nun die israelische Armee, die Hamas oder beide Seiten der Kriegsverbrechen beschuldigt - oder wie nunmehr geschehen, die Anklage, absichtlich Zivilisten getötet zu haben, zurücknimmt. Waren die 1.400 Toten nur ein Kollateralschaden?
Außerdem: Jede Woche fliegt die israelische Luftwaffe Angriffe auf Siedlungen im Gazastreifen, angeblich nur gegen die Verantwortlichen der Raketenangriffe auf Sderot oder Aschdod, in Wirklichkeit sind aber jedes Mal auch Zivilpersonen, Frauen und Kinder die Leidtragenden.
 
Mit freundlichen Grüßen
Kurt Behrens
 
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Salam Shalom Arbeitskreis Palästina-Israel e.V. setzt sich für einen gerechten Frieden für die Menschen im Nahen Osten ein.