Sehr geehrte Damen und
Herren, liebe Freundinnen und
Freunde,
die Mobilmachung gegen den
Iran läuft auf Hochtouren - ökonomisch, militärisch, politisch,
propagandistisch. Jetzt haben sich auch die Außenminister der EU dem
Druck der USA, Israels und der Sympathisanten beider in den eigenen
Regierungen gebeugt und – nach dem Vorbild der USA – ein
„beispielloses Sanktionspaket“
(so der britische Außenminister William Hague) beschlossen, das
Irans Volkswirtschaft massiv schädigen soll. Nicht nur in Israel, wo
die Menschen schon seit langem mit dem Gerede von einem drohenden
„atomaren Holocaust“ gefügig gemacht werden, propagiert die
politische Führung einen Militärschlag gegen Iran, auch bei uns
wird Stimmung für den Krieg gemacht.
Verteidigungsminister de Maizière erklärte soeben, der
NATO-Raketenabwehrschirm, dessen Kommandozentrale in Deutschland, im
pfälzischen Ramstein, eingerichtet werden soll, diene dem Schutz
„vor der Bedrohung aus dem Nahen Osten – vor allem“, so fügte
er hinzu, „aus dem Iran“ (eine absurde Vorstellung, die
allerdings dann Sinn macht, wenn der Minister mögliche
Vergeltungsschläge eines von USA, NATO oder Israel angegriffenen
Iran im Auge hat). Die SZ kommentiert den Sanktionsbeschluss der EU
unter der Überschrift „Letzte Hoffnung, letzte Chance“ und meint
damit wohl dasselbe wie die FAZ, die schreibt, als nächster
logischer Schritt bleibe „nur noch die militärische Option als
ultima ratio“, d.h. wenn die Iraner sich unserem Diktat nicht
beugen, haben wir leider keine andere Wahl. Für den israelischen
Präsidenten Shimon Peres ist diese alternativlose Situation fast
schon eingetreten: „Die Möglichkeit eines militärischen Angriffs
gegen Iran liegt jetzt (?) näher als die Anwendung einer
diplomatischen Option.“
Das ist die Begleitmusik
zu einem längst geplanten und vorbereiteten gewaltigen militärischen
Aufmarsch im Persischen Golf (drei amerikanische Flugzeugträger,
dazu britische und französische Kriegsschiffe). „Beispiellos“
kann man den hier getriebenen Aufwand leider nicht nennen. Er
entspricht in etwa dem am Vorabend des Angriffs auf den Irak im Jahre
2003.
Was da gegenwärtig
inszeniert wird, müsste uns doch sehr bekannt vorkommen. Auch im
Vorfeld des Irakkriegs wurde die Bedrohung durch Massenvernichtungsmittel in den Händen eines zu allem fähigen Feindes
beschworen, Massenvernichtungsmittel, die damals ebenso wenig
existierten wie heute (und in absehbarer Zukunft) die iranische
Atombombe.
Also, worum geht es
eigentlich bei diesem hochgefährlichen Konfrontationskurs der
selbsternannten „masters of the universe“?
Auf dem FORUM am 08.02.12 wollen wir versuchen, begründete Antworten auf diese Frage zu
formulieren. Hier eine Aufzählung
einzelner Aspekte des Themas, die in der Sitzung angesprochen werden
sollen:
Will Iran Israel
vernichten? Wie sind Ahmadinedjads Ausfälle gegen das „zionistische
Besatzungsregime“ zu bewerten? – Was hat es mit dem iranischen
Atomprogramm auf sich? Was gibt der Bericht der Internationalen
Atomenergiebehörde, IAEA, her? – Was sind Irans Interessen? - Was
sind Israels Interessen? – Ist Israels Existenz bedroht? – Welche
Funktion hat die in Israel beschworene Angst vor einem „atomaren
Holocaust“ – in Israel selber und außerhalb? - Die
geostrategischen Interessen der USA – Die Geschichte der
amerikanisch-iranischen Beziehungen in den letzten 50 Jahren – Die
Angriffsplanungen der USA – Die Interessen Deutschlands und die
deutsche Iran-Politik – Die politische, ökonomische, militärische,
mentale Mobilmachung gegen Iran – Die Aufrüstung der Region als
Bombengeschäft – Rechtliche Aspekte (Atomwaffensperrvertrag;
Völkerrecht) – Wie wahrscheinlich ist ein offener Angriff auf den
Iran? – Welche Alternativen zu Sanktionen und (verdecktem und
offenem) Krieg gibt es?
Noam Chomsky empfahl den
Bürgern der westlichen Welt „Kurse zur geistigen
Selbstverteidigung, um sich gegen Manipulation und Kontrolle wehren
zu können“. Wir freuen uns, wenn unser Kursangebot Ihnen zusagt
und wenn Sie unser FORUM mit Ihrer geschätzten Anwesenheit beehren.
Herzliche Grüße
Eckhard
Lenner
Letzte Meldung zum Stand der Dinge
(Paul-Anton Krüger in der SZ vom 4./5. 2.):
Nach Einschätzung des israelischen
Verteidigungsministers Ehud Barak kann Israels Militär das iranische
Atomprogramm nur noch in den ersten sechs bis neun Monaten dieses
Jahres so angreifen, dass es signifikant beschädigt und verzögert
wird. „Später könnte zu spät sein“ (Barak). Nach einem Bericht
der Washington Post rechnet der US-Verteidigungsminister Leon
Panetta mit einem Angriff Israels im Zeitraum zwischen April und
Juni. Die US-Regierung geht offenbar davon aus, dass Netanyahu die
Entscheidung für einen Angriff bislang nicht getroffen hat, die
Vorbereitungen dafür aber fortgeschritten sind.
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