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1995 veröffentlichte Finkelstein sein erstes Buch Image and Reality of the Israel-Palestine Conflict (deutsche Ausgabe 2002), das sich mit dem Nahostkonflikt, der Geschichte Israels und erneut mit dem „jüdischen Nationalismus“ (Zionismus) befasste. Darin widmete er den Thesen von Benny Morris, einem der „Neuen israelischen Historiker“, breiten Raum. Morris vertritt die These, dass die palästinensischen Flüchtlinge vor 1948 großenteils nicht infolge von Aufrufen arabischer Autoritäten geflohen, sondern im Krieg der arabischen Staaten gegen Israel vertrieben oder zur Flucht gezwungen worden seien. Finkelstein unterstützte das Recht der Palästinenser auf gewaltfreien Widerstand und verglich Israels Vorgehen ihnen gegenüber mit Methoden der Gestapo. Jüdische Organisationen warfen ihm deshalb Antisemitismus vor. Daraufhin verwies er auf Interview-Aussagen eines israelischen Militäroffiziers, der gesagt habe, man müsse bei der Erstürmung dicht besiedelter Flüchtlingslager auch von den Methoden der Nationalsozialisten, etwa in Bezug auf das Warschauer Ghetto, lernen. Auch als Jude und Sohn von Holocaust-Überlebenden weist Finkelstein Vorwürfe, er sei Antisemit, als absurd zurück. Er sieht sich als Verfechter universeller Menschenrechte, der besonders die USA und Israel für ihre Menschenrechtsverletzungen kritisiert und ihre Politik als Imperialismus einordnet. (Quelle: Wikipedia) Thesen
Finkelstein ließ seine persönliche Betroffenheit erkennen und hob mehrfach hervor, dass die JCC seine inzwischen verstorbene Mutter, eine Holocaustüberlebende, mit 3.500 Dollar zu gering entschädigt habe. Andere Opfer – „und viele, die in Wirklichkeit gar keine Opfer waren“ – hätten dagegen lebenslange Pensionen von mehreren hunderttausend Dollar erhalten. Häufig griff er auch bestimmte – meist jüdische – Personen, die er als Vertreter der „Holocaustindustrie“ betrachtet, persönlich an: so zum Beispiel Elie Wiesel, der sich an seinen Holocaustvorträgen bereichere, Simon Wiesenthal, Edgar Miles Bronfman senior oder Lawrence Eagleburger. (Quelle: Wikipedia) Finkelstein in einem
Interview (1.10.2000): „Auf meinen Schultern sitzen immer
meine Mutter und mein
Vater. Ich werde ihnen immer Rechenschaft schuldig sein… Ich
fühle mich ihnen
gegenüber verantwortlich.“
Als Student an der Princeton University stieß er bei Recherchen für seine Doktorarbeit über die Theorie des Zionismus auf ein Buch über „Die Ursprünge des arabisch-jüdischen Konflikts in Palästina“. Dessen Erscheinen wurde in der amerikanischen Kultur- und Literaturszene als bahnbrechendes Ereignis gefeiert. Die Autorin, Joan Peters, „behauptete, Palästina sei am Vorabend der zionistischen Kolonisierung praktisch vollkommen unbesiedelt gewesen; erst nachdem Juden die Wüsteneien, in denen sie sich niedergelassen hatten, zum Blühen gebracht hätten, seien Araber aus den Nachbarstaaten…in diese Gebiete eingewandert und hätten sich als Einheimische ausgegeben.“ (Finkelstein, Antisemitismus als politische Waffe, S. 23). Der alte zionistische Mythos vom „Land ohne Volk“ wurde hier wissen- schaftlich verbrämt neu serviert. Die Begegnung mit diesem Buch sollte in mehrfacher Hinsicht für Finkelsteins weiteres Leben bestimmend werden. „Seit dieser Zeit hat sich mein Leben größtenteils auf die eine oder andere Weise um den israelisch-palästinensischen Konflikt gedreht“ (Antisemitismus Die wissenschaftliche
Beschäftigung mit diesem Thema brachte und bringt den
„honest intellectual“, wie
ihn Noam Chomsky nennt, den aufrechten Intellektuellen Finkelstein in Konflikt mit der
Unaufrichtigkeit und dem
Opportunismus, die auch im US-amerikanischen akademischen und
kulturellen
Betrieb gang und gäbe sind, sobald Israel ins Spiel kommt.
Seine akademische Karriere
fand 2007 ihr vorläufiges Ende, als die Leitung der
katholischen De Paul
University of Chicago, an der er jahrelang als
außerordentlicher und Junior
Professor erfolgreich gelehrt hatte, seine Bewerbung für einen
Lehrstuhl
abschlägig beschied – gegen das Votum der
Fakultät und gegen den Wunsch der
Studentenschaft, die sich für ihren sehr beliebten
akademischen Lehrer
einsetzte.
Diese Entscheidung dürfte
nicht unbeeinflusst gewesen sein von der massiven Kampagne, die Alan
Dershowitz, Harvardprofessor und einer der prominentesten
Pro-Israel-Intellektuellen in den USA, gegen Finkelsteins Anstellung
geführt
hatte. Finkelstein hatte sich Dershowitz u.a. dadurch zum Feind
gemacht, dass
er mit der ihm eigenen Akribie dessen Buch „The Case for
Israel“ („Plädoyer für
Israel“) als pseudowissenschaftliche Propagandaschrift
bloßgestellt hatte (vgl.
Teil II in Antisemitismus als politische Waffe, S. 143ff).
In Deutschland bekannt wurde
Finkelstein durch
zwei Bücher, die für
lebhafte Debatten sorgten. Einmal seine Auseinandersetzung mit dem Buch
von
Daniel Goldhagen („Hitlers willige Vollstrecker“),
die er unter dem Titel „Eine
Nation auf dem Prüfstand. Goldhagens These und die historische
Wahrheit“
veröffentlichte. Auch hier ging es u.a.um den Nachweis der
Verfälschung
historischer Sachverhalte. In dem anderen, im Jahr 2000 erschienenen
Buch
unternahm er den Versuch, die moralische und finanzielle Ausbeutung des
„Leidens der Juden“, der Shoa, durch die - wie er es nannte
– „Holocaust-Industrie“ zu durchleuchten. Am 9. Mai 2007, im
Zusammenhang mit der Debatte um Finkelsteins Festanstellung an der De
Paul
University, befragte Amy Goodman in der Sendung Democracy Now zwei
renommierte
Wissenschaftler zu Norman Finkelstein und seinen Arbeisschwerpunkten
Holocaust
und Palästina-Konflikt: Raoul Hilberg, den Begründer
und Doyen der Holocaust-Forschung
(„Die Vernichtung der europäischen Juden“,
3 Bde.), und Avi Shlaim, israelischen
Staatsbürger, Professor für internationale
Beziehungen an der Universität
Oxford, eine der weltweit maßgeblichen Autoritäten
beim Thema Nahostkonflikt
(„The Iron Wall: Israel and the Arab World“).
Avi Shlaim:
„Ich habe eine sehr hohe Meinung von Professor Finkelstein.
Ich betrachte ihn
als einen sehr fähigen,
sehr
belesenen und originellen Gelehrten, der wichtige Beiträge
geliefert hat zum
Zionismus, zum Israel-Palästina-Konflikt und insbesondere zum
Studium
amerikanischer Einstellungen gegenüber Israel und dem Nahen
Osten. … Er hat
diesbezüg- lich eine Reihe eindrucksvoller Arbeiten vorgelegt.
…
Meiner Meinung nach benutzen
die blinden Israel-Unterstützer – und es gibt sehr
viele davon, besonders in
Amerika – den Vorwurf des Antisemitismus, um legitime Kritik
an Israels
Verhalten zum Schweigen zu bringen. Für mich ist das
moralische Erpressung.
Israel besitzt keine Immunität gegen Kritik, keine –
wegen des Holocaust - moralisch
begründete Immunität. Israel ist ein
souveräner Nationalstaat und sollte nach
denselben Maßstäben beurteilt werden wie jeder
andere Staat. Und Norman
Finkelstein ist ein sehr seriöser, ein blendend informierter
und ein
schlagkräftiger Kritiker der israelischen Praxis der Besatzung
und der
Enteignung der Palästinenser. Sein letztes Buch
„Antisemitismus als politische
Waffe“ basiert auf einer erstaunlich umfassenden
Forschungsarbeit. Er scheint
einfach alles gelesen zu haben…Und er unterbreitet all die
Beweise aus
israelischen und anderen Quellen, um seine Kritik der israelischen
Praxis zu
untermauern… Für mich ist diese Kritik
äußerst detailliert, wohl dokumentiert
und sorgfältig.“
Raoul Hilberg
(in Bezug auf Finkelsteins Buch über die
„Holocaust-Industrie“): „Ich war
über
die Angriffe auf Finkelstein erstaunt. Zugegeben, mein Stil ist etwas
anders,
aber ich habe inhaltlich genau das gleiche gesagt
… und ich habe von niemandem ein
kritisches
Wort dazu gehört, obwohl ich substanziell zu den gleichen
Ergebnissen kam wie
Finkelstein….
Ich bin beeindruckt von
Finkelsteins analytischen Fähigkeiten…
(Darüber hinaus) erfordert es großen
akademischen Mut, die Wahrheit auszusprechen, wenn man niemanden auf
seiner
Seite hat…
Der Scharfsinn seines Werkes
und seine analytische Kraft…werden ihm seinen Platz in der
Geschichte der
Geschichtsschreibung sichern. Die Wahrheit wird am Ende triumphieren,
und er
wird unter denen sein, die Anlass haben zu triumphieren, wenn auch, wie
es
scheint, um einen hohen Preis.“
Durch Aufklärung
über die Fakten
zur Korrektur falscher Vorstellungen und Einstellungen beizutragen, ist
das
erklärte Ziel unserer Veranstaltungsreihe. Da trifft es sich
gut, dass sich jetzt
die Gelegenheit bietet, gleich an zwei Abenden bei einem exzellenten
Kenner der
Materie und engagierten Aufklärer „in die Schule
gehen“ zu können.
Auswärtige Veranstaltungen mit
Norman Finkelstein
Salam
Shalom Arbeitskreis
Palästina-Israel e.V. setzt sich für einen gerechten
Frieden für die Menschen im Nahen Osten ein.
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